#8: Warum wir öfter mal schweigen sollten

15/7/20 ·

Und zwar komplettes Schweigen. Ohne ins Handy zu schauen, oder den Computer oder Fernseher anzumachen. Einfach mal mit unseren Gedanken alleine sein.

In welchen Situationen schweigen wir denn überhaupt? Häufig kommt es jedenfalls nicht vor. Vielleicht wenn wir gekränkt sind oder gegen irgendjemanden Groll hegen. Oder in der Kirche. Aber selbst dann sind wir nicht mit unseren Gedanken allein, sondern sind anderen Einflüssen ausgesetzt. Oftmals ist es auch nur „stiller Lärm“, der uns von uns selbst ablenkt, z.B. Reize aus den sozialen Medien. 

Es würde uns also bestimmt nicht schaden, wirklich mal abzuschalten, und zwar gerne auch über einen längeren Zeitraum – also vielleicht Mal einen ganzen Tag, oder vielleicht sogar drei? Dies natürlich immer im Rahmen unserer Möglichkeiten, denn wenn wir nicht die einzige Person in unserem Haushalt sind, wird es mit der Ruhe nur bedingt klappen. Wenn es sich doch einmal ergibt, dass die ganze Familie ausfliegt und wir einen Tag oder ein Wochenende nur für uns selbst haben, stehen wir vor der Wahl: gehen wir aus, treffen wir uns mit Freunden, gehen wir ins Kino?

Oder entscheiden wir uns für ein alternatives Abenteuer: wir schalten Handy, Computer und Fernseher ab, versorgen uns mit genügend Lebensmittel und bleiben alleine mit unseren Gedanken. Wir umhüllen uns mit Stille.

 

Absolute Stille – die Herausforderungen

Womöglich werden durch die ungewohnt lange Stille die ein oder anderen Zweifel aufkommen. Werden wir uns allein fühlen? Werden wir uns langweilen? Welche Emotionen werden in uns aufkommen? Nervosität, Zorn, Trauer oder Sehnsucht? Wir kommunizieren ständig mit unserer Umgebung. Was wird passieren, wenn wir plötzlich verstummen?

Plötzlich werden Dinge, die wir sonst häufig in Gesellschaft tun, schweigend ausgeübt. So zum Beispiel, wenn wir beim Frühstück sitzen. Normalerweise unterhalten wir uns mit der Familie, hören Radio oder schauen ins Smartphone. Jetzt, Stille. Wir hören lediglich die Geräusche, die wir selbst beim Verzehr der Speisen machen. Der positive Effekt: wir konzentrieren uns tatsächlich aufs Essen, nehmen den Geschmack intensiver war und können daher richtig genießen.

Zunächst werden wir auch wahrnehmen, dass die Zeit langsamer verrinnt als sonst. Wir werden Impulsen ausgesetzt, die uns animieren wollen, unseren herkömmlichen Mustern zu folgen: aufs Smartphone zu schauen, den Fernseher anzumachen oder am Computer unsere E-Mails zu checken. Doch wir geben uns dem nicht hin.

 

Den Rhythmus finden

Um den ablenkenden Stimmen zu entkommen, hilft es zu atmen. Und zwar gleichmäßig. Das Atmen erinnert uns nämlich an den Rhythmus der Natur: Yin und Yang. Stetiges ein- und ausatmen, aufgreifen und loslassen. Das Gleichgewicht ist wichtig. Leben wir immer nur nach „Yang“, laufen wir Gefahr irgendwann auszubrennen. Yin hingegen ist Stille, Erholung, Rückzug. Wir atmen gleichmäßig und stellen den Rhythmus der Natur her. 

Umgekehrt mag es sein, dass die Stille in uns andere Bedürfnisse hervorruft. Und zwar zu rennen oder zu schreien. Wir geben uns dem nicht hin, sondern finden andere Wege, um unsere eigenen Rhythmen wiederherzustellen. Wir können, je nach unseren Möglichkeiten, beim Spaziergang in der Natur den Bewegungsdrang stillen. Wir können unsere Gedanken niederschreiben, oder ein auch Bild malen. Die alles wird uns helfen, den Impulsen zu entkommen.

 

Fazit

Leute, die sich einen oder mehrere Tage dem Selbstversuch des Schweigens angenommen haben, berichten von positiven Effekten auf die Seele und den Geist. Geben wir uns der Stille hin, werden wir uns ruhiger, fröhlicher und einfühlsamer fühlen. Unsere Gedankenströme werden langsamer, wir können uns wieder mehr auf die wesentlichen Dinge besinnen und hingeben. Es werden sich viele Fragen auftun, die schon lange in uns schlummern, die aber bisher nicht an die Oberfläche wollten, sondern sich viel lieber unter dem alltäglichen Lärm versteckt hielten. Es liegt nun in unserem Ermessen, was wir mit diesen Fragen anfangen werden. Manche werden wir in die Hand nehmen, um sie zu beantworten. Manch andere werden wohl wieder im Tun und Geplapper des Alltags untergehen. Eines ist jedoch gewiss: wir wollen all unseren Nächsten erzählen, was alles passiert ist.